Programme of the concert with Valerij Oistrach

Die vier Jahreszeiten

Valery Oistrach

Orchestra Puellarum Pragensis

Wolfgang Rögner

Valery Oistrach. . .. . . die legendäre russische Geiger-Dynastie

PROGRAMM

Johann Sebastian Bach

Doppelkonzert

für zwei Violinen d-Moll (BWV 1043)

Antonin Dvořák

Serenade E – Dur

für Streichorchester op. 22

Moderato, Tempo di Valse, Scherzo, Larghetto, Finale

Antonio Vivaldi

Le quattro Stagioni

(Die vier Jahreszeiten)

Violinkonzerte op. 8 Nr. 1 – 4

La Primavera (Der Frühling) L´Autumno (Der Herbst)

Concerto E-Dur op.8 Nr.1 (RV 269) Concerto F-Dur op.8 Nr.3 (RV 293)

Allegro                                                          Allegro – Larghetto – Allegro assai

Largo                                                             Adagio

Allegro                                                          Allegro                                                          

L´Estate (Der Sommer) L´Inverno (Der Winter)

Concerto g-moll op 8 Nr.2 (RV 315) Concerto f-moll op.8 Nr.4 (RV 297)

Allegro non molto                                         Allegro non molto

Adagio – Presto                                              Largo

Presto                                                                  Allegro – Lento – Allegro

Von Johann Sebastian Bachs Violinkonzerten sind nur die beiden in a-Moll (BWV 1041) und E-Dur (BWV 1042) sowie das Doppelkonzert in d-Moll (BWV 1043) erhalten. Obwohl die Zeit ihrer Entstehung umstritten ist, liegt die Vermutung nahe, dass alle drei Konzerte um 1730 entstanden und für das von Bach gerade übernommene Leipziger Collegium musicum komponiert wurden. Noch in seiner Weimar Zeit 1713 / 14 beschäftigte er sich intensiv mit Antonio Vivaldis 1711 veröffentlichten Violinkonzerten op. 3, von denen er einige für Orgel bzw. Cembalo einrichtete.

Antonin Dvořák komponierte die Streicher-Serenade E-Dur op. 22 im Mai 1875 in nur 12 Tagen. Zwei Jahre später bewarb er sich damit und den „Klängen aus Mähren“ um ein Künstlerstipendium. Es war für Dvořák eine glückliche Zeit, die sich in der Serenade widerspiegelt: als Komponist erfreute er sich wachsender Popularität und Anerkennung und privat hatte er gerade geheiratet und das erste Kind war geboren. Die fünf Sätze der Serenade sind alle bis auf den Schlusssatz als dreiteilige Liedform konzipiert. Das Finale in Sonatensatz-Form verwendet Themen-Reminiszenzen aus dem ersten und vierten Satz, so dass sich ein innerer Zusammenhang ergibt.

DIE VIER JAHRESZEITEN

von Antonio Vivaldi

Antonio Vivaldi im Jahre 1725

Antonio Lucio Vivaldi (1678 – 1741), genannt il Prete Rosso (“Der rote Priester”) war zu seiner Zeit nicht nur ein gefeierter Violin-Virtuose, sondern auch ein berühmter und populärer Komponist. Viele seiner Kompositionen wurden für das weibliche Ensemble des Ospedale della Pietà, einem Heim für verlassene Kinder, wo Vivaldi von 1703 bis 1715 und von 1723 bis 1740 arbeitete geschrieben.

Unter seinen mehr als 230 Violinkonzerten erfreuen sich „Le quattro stagioni“ (Die vier Jahreszeiten) Op. 8 bis heute besonderer Beliebtheit. Es handelt sich dabei um vier dreisätzige Kompositionen, die jeweils eine Jahreszeit beinhalten. Dabei hat er jedem der vier Konzerte ein „Sonetto Dimostrativo“, ein erläuterndes italienisches Gedicht in Sonett-Form vorangestellt. Ob er diese Verse selbst verfasst hat, ist bis heute nicht nachweisbar. Dass sie für ihn jedoch mehr als nur programmatische Vorlage waren, belegen seine Handschriften: das dichterische Werk ist über den gesamten Notentext verteilt.

So liest man etwa im ersten Satz „La Primavera“ (Der Frühling) über den sanft-wiegenden Sechzehntelbewegungen der Violinen vom Murmeln der Quellen und vom Säuseln des warmen Zephirwindes, und über den orchestralen Donnerschlägen und den rasenden Blitzen der Solovioline spricht der über die Noten geschriebene Sonett-Text vom Losbrechen des Frühlingssturmes. Im zweiten Satz imitieren die Geigen das Rauschen und Flüstern der wogenden Gräser, während die Solovioline den Schlaf des Hirten versinnbildlicht. Unterbrochen wird die idyllische Ruhe nur vom wiederkehrenden Ostinato-Motiv der Bratsche: es ist das Bellen des Hundes, der neben dem Hirten wacht. Im Schlusssatz tanzen Hirten und Nymphen zur Dudelsackmelodie in ihrem geliebten Hain.

Auch in den anderen drei Konzerten lassen sich Elemente barocker Programmmusik entdecken. Der Kopfsatz des zweiten Konzertes „L’Estate“ (Der Sommer) schildert in stockenden g-Moll-Figuren das Erschlaffen von Mensch und Tier in der erbarmungslosen Hitze. Noch singen Kuckuck, Turteltaube und Distelfink, bevor Boreas, der heftige Nordwind, den sanften Zephyr vertreibt und den Hirten zur Klage über das drohende Unwetter und sein eigenes Schicksal veranlasst. Der zweite Satz zeigt die Furcht des Hirten vor dem Unwetter und vor den wilden Schwärmen der Fliegen und Hornissen. Im letzten Satz tobt sich das Unwetter dann mit elementarer Gewalt aus und sprengt dabei alle formalen Fesseln.

Das dritte Konzert „Lautung“ (Der Herbst) beginnt mit einem „Ballo e canto di Villanelli“, dem ausgelassenen Tanz und Gesang der Bauern nach eingebrachter Ernte. Hier schildert die Solovioline einen Betrunkenen, der am Ende einschläft – in langen Notenwerten und chromatischer Abwärtsbewegung.

Im Adagio wird der „dolcissimo sonno“, der süße Schlummer nach dem Fest, dargestellt, bevor der Schlusssatz mit dem ritornellartigen Signal-Motiv eine rasante Jagd vorführt: die Jäger mit ihren Hörnern, Flinten und Hunden, die  Flucht des verfolgten Wildes, das am Ende erschöpft aufgibt und stirbt.

Im vierten und letzten Konzert des Zyklus, „L’Inverno“ (Der Winter) werden das Frieren und Zittern im eisigen Schnee, die heulenden Windstöße und das Dahinstampfen durch die Kälte mit klappernden Zähnen im dissonanten Staccato des Orchesters bildhafte Wirklichkeit.

Im Largo des zweiten Satzes stimuliert die Solo-Violine eine glückliche und zufriedene Einkehr am warmen Herd, während draußen der Regen gegen die Scheiben schlägt (gezupfte Sechzehntel der Violinen). Der Finalsatz schließlich schildert den unsicheren Gang übers Eis, einen Sturz, erneutes Betreten des Eises, bis dieses mit Getöse bricht. Schirokko, Boreas, alle Winde sind losgelassen. Der Satz endet mit den Dichter-Worten: „Quest`e L`Verno, ma tal che gioia apporte“ – „Das ist der Winter, aber er bringt auch Freuden“.